Projekt

Worum geht es?

Bei dementen Menschen erlischt nach und nach die Erinnerung an das gelebte Leben. Die zeitliche und örtliche Orientierung geht verloren und vertraute Menschen wie Lebenspartner oder die eigenen Kinder werden irgendwann nicht mehr erkannt. Angst und Verunsicherung bestimmen bei diesem Prozess immer mehr den Alltag der Betroffenen. Sie ziehen sich zurück und nehmen nur noch begrenzt am Leben teil.

Hingegen können sich die meisten Menschen mit Demenz noch sehr gut an die Zeit ihrer Jugend oder ihres jungen Erwachsenenalters erinnern und hier insbesondere an die Musik dieser Zeit. Diese Musik gibt ihnen Orientierung und Sicherheit. Dort wo die Sprache längst verloren gegangen ist, werden Lieder plötzlich mitgesungen und längst vergessene Erinnerungen geweckt. In unseren Veranstaltungen tauchen wir auf humorvolle und unterhaltsame Art und Weise musikalisch in die Welt der 20er bis 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ein.

Die Präsentation, die musikalische Interpretation und die Interaktion mit den dementen Menschen sind für unsere Konzerte von wichtiger Bedeutung. Bewegung, Mimik, Gestik und kleine Geschichten, die in dieser Zeit spielen, erschaffen eine bewegte musikalische Welt.Aus dem einzelnen Musikstück wird eine spielerische Aktion, in die das Publikum, in diesem Fall die dementen Menschen, mit eingebunden wird.

Es ist fantastisch zu beobachten, wie wenig es braucht, um Menschen glücklich zu machen. Auf unseren Konzerten sind wir rund 60 Minuten lang für die Betroffenen da und widmen ihnen 100 Prozent unserer Aufmerksamkeit. Sie spüren, mit wie viel Freude wir Ihnen begegnen. Jugendliche, kindliche Unbeschwertheit spiegelt sich in den lächelnden Gesichtern wider. Diese gemeinsamen Erlebnisse lassen auch die Musiker von Klang und Leben nicht unberührt.

Wissenschaftliche Begleitung

Unter der wissenschaftlichen Begleitung von Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller fand im Jahr 2014 eine Beobachtungsreihe zur Erfassung der individuellen Auswirkungen von musikalischem Arbeiten auf das Befinden von Menschen mit Demenz statt. Prof. Dr. med. Eckart Altenmüller ist Neurologe, Musik-Mediziner und Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik und Theater Hannover.

Während im ersten Teil dieser Untersuchung der Beobachtungsschwerpunkt auf dem Befinden der Menschen während und nach einer einmaligen Veranstaltung lag, beobachteten wir in einer zweiten Untersuchung die Befindlichkeit von elf demenziell veränderten Menschen über einen Zeitraum von drei Monaten, in dem wir uns wöchentlich mit ihnen trafen, musizierten und kommunizierten.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden von Graziano Zampolin, Initiator von Klang und Leben, ausgewertet, evaluiert und in einem Text zusammengefasst.

Hier:Download(PDF) Bericht Beobachtungsreihe

Zampolin_Altenmueller

Klang und Leben Workshops

Ab März 2020 werden musikalische Workshops für soziale Betreuungskräfte, die in der Betreuung dementer Menschen tätig sind, angeboten. Diese Workshops sollen dazu beitragen, den Klang und Leben Gedanken zu einem festen Bestandteil der sozialen Betreuung werden zu lassen. Pädagogisch begleitet wird dieses Projekt in ehrenamtlicher Form vom WZ- Bildungs- und Beratungszentrum in Hannover.